2. Oktober 2026
Silvester: Das Ende von 2025
Eine Stunde vor Mitternacht habe ich uns beinahe in die Luft gesprengt. Wie das letzte Silvester mit einer dummen Idee anfing und trotzdem ein großartiger Abend wurde.
Es begann fast mit einem Ende. Eine Stunde bevor das neue Jahr eingeläutet wurde, habe ich uns beinahe in die Luft gesprengt.
Steffen, mein Best Buddy, verteilte Wunderkerzen und zündete sie an. In meinem Kopf entstand ein Gedanke: Die Rakete stand so perfekt in der Tüte, dass man sie eigentlich anzünden könnte. Mit gesundem Menschenverstand macht man das natürlich nicht. Aber keiner hat je behauptet, dass ich einen gesunden Menschenverstand hätte.
Ein bisschen mitgedacht habe ich trotzdem. Ich habe vorher geprüft, ob die Rakete locker genug steckt, um abzuheben. Check erledigt, Kopf aus, Zündschnur an.
Die Rakete steigt Richtung Himmel. Wunderschön. Wäre da nicht ein weiteres Zischen aus der Tüte gewesen. Beim Abheben hatte die erste Rakete die Zündschnur der zweiten angesteckt.
Ich rufe nur noch „Weg, weg, weg“ und springe zur Seite. Steffen bleibt stehen und versucht, die Rakete aus der Tüte zu schlagen. Durch die Funken fängt die dritte Feuer.
Rakete Nummer zwei hebt ab. Rakete Nummer drei steckt leider verkehrt herum in der Tüte. Explosion. Rakete Nummer vier fliegt quer ins Grüne und explodiert zehn Meter weiter auf dem Boden. Die Tüte ist kaputt. Mehr ist zum Glück nicht hochgegangen.
Und dann? Verwirrung, Angst, Demut. Aber vor allem Freude und Lachen. Wir beenden das Jahr mit einer dummen Idee.
Eine halbe Stunde später sitzen wir wieder in der Kantine und reden immer noch darüber. Keine fünf Minuten im Betrieb, und die Geschichte hat sich ausgebreitet wie ein Lauffeuer. Oder wie eine Tüte voller Raketen, bei der man die erste aus Spaß angezündet hat.
Kollegen kommen vorbei, und wir erzählen alles noch ein paar Mal. Erst jetzt schaut Steffen an sich herunter und merkt, dass seine Hose zwei Brandlöcher hat. Die Aktion hätte also, aufgepasst, wirklich in die Hose gehen können. Zum Glück ging ihm das Ganze nicht am Arsch vorbei, sondern nur am Schritt.
Hosen- und Szenenwechsel. Fünf Minuten vor Mitternacht stehen wir im Grünen neben dem Hotel. Happy New Year. Es wird angestoßen, umarmt und Glück gewünscht. Keine zwei Minuten später zündet Steffen die erste kleine Batterie und direkt danach die zweite mit 90 Sekunden Laufzeit. Die Hotelgäste und die Leute vom Club nebenan haben ihren Spaß.
Auf einmal ein Sprühregen im Rücken. Ein Kollege aus dem Service kommt wie ein Formel-1-Sieger aus dem Hotel und sprüht den Schampus über alles, was sich bewegt. Es folgen ein paar Fotos und eine epische Römerlichtschlacht zwischen Steffen und einem Azubi aus dem Service. Sieger: beide. Keiner hat ein Auge verloren.
Plötzlich Panik. Geschrei. Menschen rennen. Der Schampus-Kollege ist zurück, mit der nächsten geschüttelten Flasche. Nach der zweiten und dritten Dusche geht es hinters Haus an die Warenannahme. Wir stehen mit den Kollegen zusammen, lachen, trinken und werfen Witze in den Raum. Im Hintergrund legt ein DJ vom Handy auf, über zwei Musikboxen im Miniformat.
Um halb zwei zerstreuen sich die Leute langsam. Zeit, die Welt zu erkunden. Eine Kollegin aus dem Service, ein Azubi aus der Küche, Steffen der Überlebende und ich, Marcus der einzig Wahre, machen uns auf den Weg in den Club.
„Wie kommen wir da rein?“ – „Durch den Hintereingang, ich hab den Code.“ Wir stehen am Hintereingang. „Shit, die haben den Code geändert.“ – „Ich hab keine Lust, für eine Stunde noch Eintritt zu zahlen.“ – „Marcus, sprich mal mit denen am Eingang. Sei einfach ehrlich.“
Gesagt, getan. Am Haupteingang ruft jemand: „Marcus!“ Ich schaue zur Kasse. Ein Gesicht, das ich kenne und mit dem ich schon oft gesprochen habe. Leider kann ich mir Namen ganz schlecht merken. „Hey, frohes Neues, wie geht's dir?“, sage ich in meiner charmanten Art. Nach einem kurzen Plausch sind wir zu viert drin. Kostenlos, mit Bändchen und einer Marke für einen Gratis-Sekt um Mitternacht.
Ab da klingt der Abend langsam aus.
Und bitte nicht nachmachen. Raketen gehören nicht in eine Tüte.
Marcus